Minergie fordert gute Raumluft
"Lüftungssysteme sind eigentlich Wellness-Anlagen – fürs Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner.“ - Benno Zurfluh, SWKI
Gute Raumluft ist nicht selbstverständlich. Zu viele Verunreinigungsquellen sind in der Umgebung und im Innern von Gebäuden vorhanden. Deshalb sind kontrollierte Lüftungssysteme gefordert, die mit geeigneten Massnahmen ein gesundes und hygienisch einwandfreies Raumklima erzeugen können.
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Die Fachtagung „Gute Raumluft – Fakten zum gesunden und hygienischen Raumklima“, die von MINERGIE Schweiz im Herbst 2014 in Zürich und Bern durchgeführt wurde, ist auf grosses Interesse gestossen. >> zur Webseite
Auszüge:
Quellen erkennen und beseitigen
Für Roger Waeber, Bundesamt für Gesundheit (BAG), ist klar, dass nachteilige Quellen für eine Beeinträchtigung der Raumluftqualität identifiziert und eliminiert werden müssen. „Solche befinden sich sowohl in der Umgebung eines Gebäudes als auch im Innern. Schwache emitierende Quellen sind in der Summe ebenso schädlich wie starke Quellen, die zu entfernen sind.“ Deshalb muss die Frischluftzufuhr bei kontrollierten Lüftungen auch das im Innern vorhandene Material und dessen Emissionen berücksichtigen, zum Beispiel bei diversen schädlichen Stoffen in den Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen. Die Strategie heisst deshalb fürs ganze Haus: Luftwechsel bedarfsgerecht regeln, Quellen der Luftverschmutzung bekämpfen und adäquates Nutzerverhalten fördern – denn Raumluft ist ein Lebensmittel!
Dichte Gebäudehülle bedingt Lüftungskonzept
Auf dem Weg zu einer deutlichen Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden hat man auch die Luftdichtheit der Hülle erhöht. Christoph Sibold, MINERGIE Agentur Bau, hält fest: „Diese Entwicklung bedingt eine aktive Auseinandersetzung mit Lüftungskonzepten, die ein angenehmes Raumklima gewährleisten können.“ Dieses ist selbstverständlich vom Standort und von der Situation des Gebäudes abhängig. Im Gegensatz zu hiesigen Verhältnissen hat man im Sonnengürtel der Erde stets mit der Luftundichtheit und einer damit ermöglichten natürlichen Lüftung gearbeitet. Bei einem dynamischen Aussenklima, wie es in der Schweiz herrscht, will man jedoch eine Trennung von Aussen- und Innenklima erreichen und somit sind geeignete Massnahmen für eine kontrollierte Lüftung zu ergreifen.
Verschutzungen bei der Realisierung von Systemen vermeiden
Dass zwischen Wollen und Können manchmal eine Diskrepanz herrscht, zeigte Benno Zurfluh von der Zurfluh Lottenbach GmbH auf. „Die hygienischen Anforderungen an raumlufttechnische Geräte und Anlagen sind eigentlich gegeben. Diese dürfen jedoch nicht selbst zur Quelle von Verunreinigungen der Raumluft mutieren.“ Gefordert sind alle am Bau und Betrieb involvierten Akteure, vom Planer über den Hersteller und Installateur bis zum Betreiber. Das Lüftungssystem beginnt bei der Luftfassung, die geeignet konstruiert und dann auch platziert werden muss. Es geht hier darum, gute Luft anzusaugen. Dann sollten die verschiedenen Komponenten während des Baus und der Montage vor Verunreinigungen geschützt werden. Und schliesslich muss eine geeignete Zugänglichkeit für Kontrolle und Service der gesamten Komfortlüftung gewährleistet sein. „Und die eingesetzten Einwegfilter sind mehrmals jährlich zu wechseln. Denn die Lüftungssysteme sind eigentlich Wellness-Anlagen – fürs Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner.“




