Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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Schule nach Corona

OEsterreich Richard Tanzer Bildungsquarti 3 Für Schüler ist die Corona-Krise bisher eine Katastrophe. Unterrichtsausfall, Pannen beim Homeschooling, Nachteile für Kinder aus bildungsfernen Haushalten.
Österreich investiert jetzt Milliarden in Bildung und zeigt, wie eine zeitgemässe Schule aussehen kann. In den kommenden zehn Jahren sollen in Österreich 270 Schulen saniert, erweitert oder neu gebaut werden.

 

Österreich macht es vor

Quelle die Welt: Von Elisalex Henckel
Zum Bild_C-Richard Tanzer: Vorbild für die Zeit nach Corona: Diese Schule liegt in der „Seestadt Aspern“, einem neuen Stadtteil, der im Nordosten Wiens entsteht

csm bq aspern tg2 2560 s4 6935c9c664Die Bundesschule Aspern ist ein Ort, an dem man selber gerne wieder Schüler wäre: Luft und Licht durchfluten den dreigeschossigen Neubau aus Beton, Holz und Glas, kräftige Farben an Boden und Wänden weisen den Weg, von fast überall sieht man nach draußen – auf das Bambuswäldchen im Innenhof oder die mit Wiesenpflanzen begrünten Terrassenflächen, die das Gebäude mit ihren großzügigen Sportplätzen verbinden.

Die 2017 fertig gestellte Schule liegt in einem der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas, der „Seestadt Aspern“ im Nordosten von Wien. Nachdem sie von Architekturkritikern bejubelt und mit Preisen überhäuft wurde, zählt sie nun zu den Vorzeigeprojekten, mit denen die Regierung eine Investitionsoffensive illustriert hat.

Ausgerechnet die Corona-Krise, in der Eltern und Schüler unter fehlender Digitalisierung und starren Lehrmethoden litten, hat Schwung in das Projekt gebracht. Die österreichische Regierung hat ihr mit 2,4 Milliarden Euro dotiertes „Schulentwicklungsprogramm“ vorgezogen. In den kommenden zehn Jahren sollen insgesamt 270 Schulen saniert, erweitert oder neu gebaut werden.

Das Ziel: Raum für innovative Lernkonzepte, die Bauwirtschaft ankurbeln und den Klimaschutz vorantreiben. Letzteres liegt vor allem dem grünen Koalitionspartner der ÖVP am Herzen.

Neidisch dürfte Deutschland auf die im Zuge der Corona-Krise verkündete „Digitalisierungsoffensive“ blicken. Bis 2023 sollen alle Schulen schnelles Internet haben. Bereits ab dem kommenden Jahr erhalten alle Schüler der fünften Schulstufe ein Tablet oder einen Laptop. Die Schulen dürfen den Gerätetyp wählen, die Eltern müssen einen sozial gestaffelten Anteil der Kosten übernehmen. Dafür dürfen Kinder das Gerät dann auch privat nutzen. Schüler sollen nie wieder Nachteile haben, nur weil sie zu Hause keinen geeigneten Computer haben.

Ausserdem soll es ein einheitliches Portal für digitale Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern geben. Auch das ist eine Lehre aus dem Lockdown. Die „digitale Schule“ soll bereits ab Herbst online sein. Jede Schulgemeinschaft ist zudem angehalten, sich auf eine Lernplattform zu einigen. So soll zumindest das Durcheinander an digitalen Schultools der Vergangenheit angehören, falls eine zweite Welle im kommenden Schuljahr auch zu einer zweiten Phase des Homeschooling führt.

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C-Richard Tanzer: Hell und modern ist die Bundesschule Aspern. In den kommenden zehn Jahren sollen in Österreich 270 Schulen saniert, erweitert oder neu gebaut werden

Aber nicht nur die Inhalte, auch die Gebäude sollen in die Zukunft weisen. Die Bundesschule Aspern sei Vorbild mit Blick auf Nachhaltigkeit, sagt Wolfgang Gleissner, Geschäftsführer der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die viele weitere Projekte aus dem Entwicklungsprogramm verantworten wird. Die Konstruktion lasse so viel Tageslicht ins Innere, dass sie tagsüber fast ohne Kunstlicht auskomme. Eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung spare Energie aus Fernwärme. Dank eines Tiefenbrunnens bleibt das Gebäude auch an heissen Tagen kühl: Das Wasser läuft in Rohren durch Decken und Wände. Eine umweltfreundliche Klimaanlage.

„Die Schule hat Passivhausqualität“, sagt Gleissner und verweist auf zahlreiche Klimagütesiegel, die dem etwa 13.800 Quadratmeter großen Gebäude verliehen wurden. Kosten für den Bau: 34 Millionen Euro.

Auch mit Blick auf die Raumaufteilung geht die für 1100 Sekundarschüler ausgelegte Schule neue Wege. Dem Bildungsministerium, aber auch Architektin Hemma Fasch war wichtig, dass die Schule individuelle Lehr- und Lernformen zulässt: „Die Räume sollen die Kinder zu Akteuren machen“, sagt Fasch. „Sie sollen sich ihr eigenes Arbeitssetting schaffen, mit Schülern anderer Schulstufen austauschen und möglichst schnell nach draußen können.“

Konkret bedeutet das: Statt langer Flure mit traditionellen Klassenzimmern gibt es für die zehn- bis 14-jährigen Schüler „Cluster“, in denen sich vier Klassen eine offene Lernzone teilen, die sich über Schiebewände mit ihren jeweiligen Rückzugsräumen verbinden lassen. Die Sekundarstufe II ist nach dem aus dem angelsächsischen Raum bekannten „Departmentsystem“ organisiert: Die Unterrichtsräume sind nicht einer Klasse gewidmet, sondern einem Fach, für die Schüler gibt es „Home Base“ genannte Aufenthaltsräume, wo sie sich ausruhen, austauschen oder selbstständig lernen können.

Von fast allen Unterrichtsräumen gelangt man direkt auf großzügig überdachte und möblierte Terrassen. Zudem verfügt die Schule über zahlreiche und vielfältig nutzbare Gemeinschaftsräume wie zwei Sporthallen, eine Bibliothek, einen Speisesaal und eine Aula samt knallroter „Lesetreppe“, die sich bei Veranstaltungen auch als Sitztribüne nutzen lässt. Das soll sowohl ganztägige Schulformen ermöglichen, die in Österreich immer noch nicht die Regel, aber immer stärker gefragt sind, als auch die Nutzung durch Externe – etwa lokale Sportvereine oder Kulturinitiativen.

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C-Richard Tanzer: Bildungsquartier Aspern

Einen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit gab es bereits für das Gebäude, weil es laut Jury wichtig sei „sowohl für die wachsende Seestadt Aspern als auch für die junge ‚Generation Klima‘, die problembewusst, aber nicht spassbefreit angetreten ist, die Klimawende herbeizuführen.“

Auch die Mathematik-Lehrerin Katharina Herzog, die bis zur Ernennung einer neuen Schulleitung als „Standortkoordinatorin“ dient, unterrichtet gerne an ihrer neuen Schule. Sie sagt aber auch, dass viele Lehrer die Offenheit der Räume als Herausforderung empfänden: „Gerade jüngeren oder leistungsschwachen Schülern fällt es mitunter schwer, sich zu konzentrieren.“ Gleichzeitig könnten die Lehrer die Flexibilität, die etwa ein „Cluster“ biete, derzeit kaum nützen: Dazu fehle es ihnen zum einen an Ausbildung in Projektarbeit, zum anderen vertrage sich diese nur schwer mit der Einteilung eines Schultages in 50-Minuten-Einheiten.

Ist das Raumkonzept in der Pandemie noch zeitgemäss?
Trotzdem löst die Schule der Zukunft nicht alle Probleme. Davon zeugen nicht nur die halb leeren Klassen und das provisorische Einbahnsystem aus Absperrbändern und Bodenmarkierungen. Sondern auch der Anruf, den die Schulkoordinatorin am Vorabend erst erhalten hat: Bei einer Lehrerin besteht der Verdacht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Statt die Schule zu leiten, muss Katharina Herzog nun erst einmal Kontaktlisten für die Gesundheitsbehörden erstellen.

Das wirft die Frage auf: Wie verträgt sich ein offenes Raumkonzept mit den Bedürfnissen während einer weltweiten Pandemie? Muss man Schulbauten aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem Virus vielleicht längst wieder ganz anders denken?

„Auf keinen Fall“, sagt Architektin Hemma Fasch, die selbst aus einer Lehrerfamilie stammt. „Gerade in Aspern haben wir fast alle Räume so konzipiert, dass sie verschiedenen Bedürfnissen ihrer Nutzer angepasst werden können und auch direkten Zugang ins Freie ermöglichen. Dadurch bietet die Schule insgesamt mehr Platz zum Lernen – und genau das brauchen wir ja während einer Epidemie.“

>> Objektangaben aus BIG Bundes-Immobilien-Gesellschaft

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