Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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Trockene Augen als Volkskrankheit

Augentropfen helfenTrockene Augen kennt fast jeder, gerade wer viel auf den Computer oder das Smartphone starrt. Das Leiden ist bei 15-17 % der Bevölkerung leicht chronisch. Doch oft übersehen Ärzte und Patienten die wahren Ursachen.
*Sind wirklich die Klimaanlagen schuld???
*Helfen gute Raumluftkonditionen?

Fünf vermeidbare Ursachen gemäss Artikel "Die Welt":

  1. Wer zu wenig blinzelt, geht das Risiko ein, dass der Tränenfilm verdunstet.
  2. Medikamente können die Tränenproduktion beeinflussen. Fragen Sie Ihren Arzt nach alternativen Wirkstoffen.
  3. Eine unbehandelte chronische Lidrandentzündung kann die Fettproduktion der Drüsenzellen am Auge stören. Die Tränen verdunsten dann schneller.
  4. *Klimaanlagen und Heizungen senken die Luftfeuchtigkeit. 
  5. *Rauch oder starker Luftzug trocknen das Auge aus.

>> *mehr SVLW-Infos zur Raumluftfeuchte

 

Das Geheimnis des trockenen Auges

Auszug aus Artikel: "DIE Welt* von Sarah Maria Brech
Bild: Augentropfen helfen – aber leider nur kurzfristig. Copyright: Getty Images

Auf einen Termin bei Philipp Steven warten Patienten oft sechs Monate, seine Spezialsprechstunde ist extrem begehrt. Denn die Erkrankung, die der Professor am Kölner Universitätsklinikum behandelt, wird häufig – sogar von Augenärzten – unterschätzt: das trockene Auge.

Das Syndrom ist zu einer Volkskrankheit geworden. Philipp Steven schätzt, dass etwa 40 Prozent der Patienten in Augenarztpraxen an der fachsprachlich Keratoconjunctivitis sicca genannten Erkrankung leiden. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte gehen davon aus, dass 15 bis 17 Prozent aller Deutschen betroffen sind, Frauen häufiger als Männer, Ältere häufiger als Jüngere. Das Problem: Oft nehmen die Betroffenen die Symptome nicht ernst. Sie behandeln sich selbst mit künstlichen Tränen aus der Apotheke oder gewöhnen sich an gerötete, schmerzende Augen. So wird ein Facharzt oft erst dann aufgesucht, wenn die trockenen Augen chronisch geworden sind und das Auge bereits beschädigt ist.

Zur Entstehung der Krankheit tragen mehrere Faktoren bei: Zum einen ist bei den Patienten die Tränenfunktion gestört, verstärkend wirken Lebensgewohnheiten der Moderne, wie etwas das lange Lesen mit Bildschirmen. Der Begriff „trockenes Auge“ führt dabei in die Irre. Denn nur bei einer Minderheit der Patienten bildet das Auge zu wenig Tränenflüssigkeit. Stattdessen ist meist die Zusammensetzung der Tränen verändert.

Das kann unterschiedliche Ursachen haben. So wirken sich Medikamente wie Antidepressiva, Betablocker oder auch die Anti-Baby-Pille auf die Produktion der Tränenflüssigkeit aus. Auch Augenlasern, eine Operation wegen Grauen Stars oder eine Hauterkrankung wie Rosacea kann trockene Augen begünstigen. Bei älteren Menschen arbeiten die Meibomdrüsen am Augenlid häufig nicht mehr richtig. In ihnen wird ein Öl gebildet, das die Tränen vor dem Verdunsten schützt.

Die Tränenflüssigkeit wird von der etwa mandelgroßen Tränendrüse produziert, die sich am äußeren Lidrand befindet. Sie besteht aus Wasser, Kochsalz, Zucker, Eiweißen und verschiedenen Stoffen, die Krankheitserreger abtöten können. Durch den Lidschlag wird die Flüssigkeit über dem Auge verteilt und zum Innenrand transportiert. Der Flüssigkeitsfilm versorgt die Hornhaut mit Nährstoffen und schwemmt Fremdkörper weg. Reißt er auf, muss der Mensch blinzeln, um die Augenoberfläche neu zu benetzen. Eine Träne, die falsch zusammengesetzt ist, reißt aber deutlich früher auf als eine gesunde Träne. Sie wird instabil.

Ein Mensch mit trockenem Auge müsste also deutlich häufiger blinzeln als die vier durchschnittlichen Male pro Minute. In vielen Fällen aber blinzelt er deutlich seltener – weil er zum Beispiel am Computer arbeitet. Wer auf einen Bildschirm blickt oder sich konzentriert, blinzelt seltener. Die Frequenz kann auf weniger als einen Lidschlag pro Minute reduziert sein. Dadurch verdunsten die falsch zusammengesetzten Tränen noch schneller und auf der Augenoberfläche können sich Salze anreichern. Das wiederum reizt die Epithelzellen an der Augenoberfläche so stark, dass sie Entzündungsfaktoren ausschütten. Kontaktlinsen verschlimmern das Geschehen, weil sie die Augenoberfläche zusätzlich reizen. So kann es zu einer schmerzhaften Entzündung des Auges kommen, die wiederum die Träne noch instabiler macht.

Trockene Augen sind darum schnell überfordert, wenn die Betroffenen lange auf einen Bildschirm schauen. Sie röten sich, brennen oder fühlen sich so an, als befände sich Sand darin. Manchmal tränen die Augen, manchmal verschwimmt die Sicht. Viele kennen solche Symptome von langen Flügen, wenn die Augen mehrere Stunden der trockenen Kabinenluft ausgesetzt waren. Bei gesunden Menschen reguliert der Körper das wieder. Bei Patienten mit trockenem Auge aber bleiben die Symptome. Kurzfristig können sie mit Tränenflüssigkeit aus der Apotheke gelindert werden. Werden die Ursachen aber auf Dauer nicht behandelt, kann die Erkrankung chronisch werden. Die Augen schmerzen oder tränen stark, Patienten vertragen kein Augen-Make-up mehr oder bekommen Probleme, wenn in ihrer Nähe jemand raucht.

In einer Studie der John-Hopkins-Universität in Baltimore konnten Forscher im Jahr 2018 zeigen, dass die Krankheit die Funktion der Augen beeinträchtigt: Während gesunde Menschen im Schnitt 273 Wörter pro Minute erfassten, schafften die Patienten nur 240. „Wir nehmen an, dass Menschen mit trockenen Augen meistens nicht lange Zeit am Stück gut lesen können, weil ihre Tränen die Augenoberfläche nicht wieder schnell genug befeuchten“, sagt Hauptautorin Esen Akpek.

Bei den in den USA üblichen Sehtests, bei denen 75 Wörter gelesen werden müssen, fielen diese Patienten allerdings gar nicht auf. Akpek wundert das nicht: Viele ihrer Patienten schnitten bei den üblichen Sehtests ebenfalls glänzend ab. Sie klagten aber darüber, dass sie nachts oder in unbekannten Gegenden nicht mehr gut Auto fahren könnten, kleine Schrift nicht mehr lesen oder nicht mehr gut am Computer arbeiten könnten. Andere werden lichtempfindlich, viele bekommen auch Kopfschmerzen. Offenbar, so vermutet die Forscherin, treten die Probleme erst auf, wenn das Auge längere Zeit angestrengt wird. Was physiologisch dahintersteckt, ist unklar. Möglicherweise müsse sich ein trockenes Auge stärker anstrengen, um scharf zu sehen.

Klar ist, dass die Symptome oft nicht von einem Tag auf den anderen auftreten, und sich eher schleichend einstellen. Der Patient bemerkt sie häufig kaum. Spätestens im Alter aber verursacht das trockene Auge große Probleme. Zum Beispiel entzündet sich häufig der Lidrand und vernarbt. „Die Lidkante ist auf der Hinterseite scharfkantig“, erklärt der Kölner Augenarzt Philipp Steven, der den Schwerpunkt „Trockenes Auge“ an der Kölner Uniklinik leitet und auch Experte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft ist. „Sie funktioniert beim Blinzeln wie ein Scheibenwischer für das Auge. Wenn sie aber durch Narben zerfurcht ist, funktioniert dieser Scheibenwischer schlechter und die Symptome verschlimmern sich.“

Selbst Ärzte erkennen die Ursache für die Entzündung nicht immer gleich. „Patienten kommen ja nicht in die Sprechstunde und sagen: Ich habe eine Tränenfunktionsstörung“, sagt Steven. „Stattdessen sagen sie: ‚Ich sehe verschwommen‘ oder: ‚Mein Auge tut weh‘.“ Deshalb sollten Ärzte beim Verdacht auf trockenes Auge nicht nur einen Sehtest, sondern auch andere Tests durchführen – zum Beispiel die Entzündungsfaktoren und die Versalzung in der Tränenflüssigkeit bestimmen. Steht die Diagnose fest, beginnt die Suche nach den Ursachen: Der Arzt sollte dann nach Tabletten oder einer ungünstigen Arbeitsplatzsituation fragen.

Allerdings kommt es bei vielen Patienten gar nicht so weit: Sie setzen bei trockenen Augen nicht auf ärztliche Diagnostik und Ursachenforschung, sondern auf rezeptfreie Augentropfen. Die enthalten häufig Hyaluronsäure und befeuchten die Augen. Der Patient spürt sofort eine Linderung, das Symptom verschwindet. Allerdings oft nur kurzzeitig.

Denn der Griff zu den künstlichen Tränen ist häufig der falsche Weg. Diese Augentropfen helfen oft nur für wenige Stunden, der Patient muss immer wieder nachtropfen. Steven rät darum zu Augentropfen, die Öl oder einen stabilisierenden Anteil enthalten. Dieser soll verhindern, dass die Träne zu schnell aufreißt. Das Uniklinikum Köln selbst war an der Entwicklung der allerneuesten Variante beteiligt, die statt Wasser ein sogenanntes semifluoriertes Alkan enthält. Diese Substanz bildet einen dünnen Film, der sich auf die Träne legt und die Verdunstung hemmt. In der experimentellen Forschung sind mittlerweile auch künstliche Tränen, die mithilfe von Cannabis die Schmerzen lindern sollen, ohne der Hornhaut zu schaden.

In jedem Fall gilt: Wer vermutet, trockene Augen zu haben, sollte zum Augenarzt gehen. Werden die Ursachen nicht erkannt und bekämpft, droht eine Manifestation der Erkrankung, die nur noch mit entzündungshemmenden Mitteln behandelt werden kann. Dann müssen Immunsuppressiva ins Auge getropft werden.

In aller Welt suchen Wissenschaftler inzwischen neue Wege zur Behandlung des Syndroms. So arbeiten gleich mehrere Teams an einem sogenannten Neurostimulator. Diese feine Elektrode wird vom Patienten regelmäßig an die Nase gehalten, wo sie über einen winzigen elektrischen Impuls die Tränendrüsen und somit den Tränenfluss stimuliert.

Im Sommer präsentierten Wissenschaftler um Sandeep Jain von der Universität Illinois eine weitere Methode, um trockene Augen zu therapieren. Die Forscher suchten nach der Ursache für die falsche Tränenzusammensetzung. Erste Erkenntnis: Der Körper produziert beim trockenen Auge sogenannte Auto-Antikörper, die die eigenen Proteine angreifen. Um diese Auto-Antikörper zu bekämpfen, stellten die Forscher wiederum aus körpereigenen Proteinen Antikörper her und versetzten Augentropfen mit dem Stoff. Im placebokontrollierten Test zeigte sich: Die Antikörper-Tropfen wirkten, die Entzündungswerte der Patienten gingen zurück.

Allerdings gibt es diese künstlichen Tränen, die nicht nur lindern, sondern heilen, noch nicht. Aber das trockene Auge gilt als einer der größten Wachstumsmärkte in der Medizin, sagt Philipp Steven – die Zahl der Betroffenen sei eben enorm hoch.

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