Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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An Aufatmen ist nicht zu denken

Lord Nelson mit Atemschutzmaske Greenpeace Protest in LondonTrotz grossen Fortschritten in der Lufthygiene verursachen Feinstäube in Europa Hunderttausende Todesopfer. 
Eine Untersuchung für den Kanton Zürich, die im Oktober veröffentlicht wurde, geht von jährlich rund 660 Millionen Franken Gesundheitskosten allein durch die Luftverschmutzung aus – vor allem durch die Verbrennung fossiler Treib- und Brennstoffe. Luftteinhaltenmassnahmen sind billiger als die Folgekosten.

 

Smog hat einen neuen Namen: Peking. Die Hauptstadt Chinas kommt regelmässig in die Schlagzeilen, weil die Metropole wochenlang unter einer Kuppel dreckiger Luft erstickt. Die Lungen der Menschen leiden unter dem giftigen Staub aus Kohlenkraftwerken, Autoauspuffen und Fabrikschloten. Schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen in China sterben jährlich durch die Luftverschmutzung laut einer in der Wissenschaftszeitschrift «PLOS One» veröffentlichten Studie. Peking ist aber nur eine von Hunderten Städten in Asien, die unter schlechten Luftbedingungen leiden.

Wir sind geneigt, mit dem Finger auf das grosse Reich im Osten zu zeigen und den mangelnden Umweltschutz in der Volksrepublik China zu kritisieren. Schliesslich ist es lange her, dass Menschen in Europa wegen dicker Luft nicht mehr die Wohnungen verlassen konnten, wenn sie keine schwere Krankheit riskieren wollten. Das war in den 50er-Jahren, als der schwefelhaltige Rauch aus den Kohleheizungen in London den Tag zur Nacht machte.

Seither ist die Luft in Europa dank technischem Fortschritt und politischen Massnahmen bedeutend sauberer geworden. Vergessen sind die Ozon- und Feinstaubalarme, die es noch vor wenigen Jahren auf die Titelseiten brachten. Trotzdem ist an ein Aufatmen nicht zu denken. Zwar erkennt man grosse Erfolge in der Luftreinhaltung, doch die Konzentration von Feinstäuben, Ozon und Stickoxiden liegt zeitweise immer noch weit über den Grenzwerten.

Das zeigen die neusten Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA). Die Autoren schätzen, dass in den 28 EU-Staaten (EU-28) im Jahr 2013 rund 436 000 Menschen starben, weil sie über eine längere Zeit einer hohen Dosis an Feinstäuben ausgesetzt waren. Unter solchen Bedingungen leben laut Studie rund 8 Prozent der urbanen Bevölkerung in der EU-28. Nimmt man den strengeren Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO), so sind es 85 Prozent. Dabei gehören nicht nur Kohlestaaten wie Polen zu den grössten Feinstaubproduzenten, auch west- und südeuropäische Länder wie Grossbritannien, Deutschland oder Italien weisen zu hohe Werte aus.

Im Fokus sind die Kleinstpartikel, die nur wenige Tausendstel Millimeter klein sind (PM 2,5). Sie stammen aus der Verbrennung von Treib- und Brennstoffen, dazu gehört auch der Russ. Aber auch Reifenabrieb, Industriegase und Holzverbrennung produzieren PM 2,5.

Wissenschaftlich gesichert ist, dass diese Partikel zu einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Atemwegserkrankungen führen. Neuerdings mehren sich Indizien, dass dieser Staubmix auch für die Erkrankung an Diabetes mitverantwortlich sein könnte.

Hohe Gesundheitskosten:
In der Schweiz sieht das Luftbild ähnlich aus: Die Schadstoffe sind dank politischen und technischen Massnahmen in den letzten 20 bis 30 Jahren deutlich gesenkt worden. Trotzdem gibt es in sonnigen Sommern häufig Ozonspitzen weit über dem Grenzwert. Feinstäube reichern sich vor allem in den Städten im Winter bei Hochnebellagen in Bodennähe an. Politische Reaktionen sind meistens durch Kostenrechnungen getrieben. Eine Untersuchung für den Kanton Zürich, die im Oktober veröffentlicht wurde, geht von jährlich rund 660 Millionen Franken Gesundheitskosten allein durch die Luftverschmutzung aus – vor allem durch die Verbrennung fossiler Treib- und Brennstoffe.

Nimmt man diese Zahlen zum Massstab, so liegt es auf der Hand, dass Luftreinhaltemassnahmen billiger sind als die Folgekosten. Kommt hinzu, dass die gleichen Schadensquellen mit dem Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) auch Hauptverursacher des Klimawandels sind.

Nach wie vor sind die Schadenskosten nicht im Energiepreis von Kohle, Erdöl und Erdgas enthalten. Allmählich wächst allerdings der politische Druck seitens der Wirtschaft und mancher Regierungen, den CO2-Ausstoss zu besteuern, damit der Einsatz fossiler Energie im Vergleich zur erneuerbaren wie Sonnen- und Windenergie teurer wird – was wiederum Luftqualität und Volksgesundheit zugutekäme. 

>> Martin Läuble im Tagesanzeiger

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