Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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Erfolgskontrolle Gebäudeenergiestandards

Neue BFE-Studie über Nachweiskontrolle zeigt grosse Abweichungen. Auszug zur Lüftung:

Für viele, die der konventionellen Bauweise verbunden sind, ist aber gerade die kontrollierte Lüftung weiterhin ein wesentlicher Aspekt, der sie davon abhält, mit Minergie zu bauen. Mancher Vorbehalt mag dank technischen Innovationen längst hinfällig geworden sein
Die kontrollierte Lüftung ist auch ein wesentliches, oft technisch bedingtes Hindernis bei Sanierungen.

>> zur umfangreichen Studie 

Empfehlungen aus der Studie, ab Seite 105

Auf der Basis der vorgängig referierten Ergebnisse formulieren wir nachfolgend Empfehlungen, wie die Marke Minergie optimiert und die Grenzwerte des Energieverbrauchs sowohl bei Minergie und als auch bei MuKEn besser eingehalten werden können. Dabei ist es zielführend, dass die Massnahmen bei verschiedenen relevanten Zielgruppen ansetzen und nicht nur den Planungs- und Bauprozess betreffen, sondern auch die Zeit nach der Inbetriebnahme der Gebäude.

Bauherrschaften sind gemäss Umfrage die wichtigsten Entscheidungsträger, wenn es darum geht, ob mit Minergie gebaut wird. Primär müssen sie von der Minergie-Idee überzeugt werden. Das kann mit klassischer Werbung direkt erfolgen, was mit grossem finanziellem Aufwand und Streuverlust verbunden ist. Denkbar ist alternativ dazu, die Architekt/innen als „Botschafter“ für die Minergie-Idee gewinnen (und halten!) zu können.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass potenziell interessierten Bauherrschaften Kontakte zu Personen vermittelt werden, die bereits Erfahrung mit Minergie-Bauten gemacht haben. Es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, bereits fertig erstellte Minergie-Häuser zu besichtigen. Damit können Bedenken und Vorurteile abgebaut werden.

Ebenfalls wichtig: Investitionen in energiesparendes Bauen und Renovieren sollen sich auch ökonomisch bezahlt machen. Bestehende Angebote, die Tipps vermitteln, Rechenbeispiele geben etc. sind deshalb weiterhin erwünscht und allenfalls noch auszubauen.

 

Viele  Architekt/innen erleben das Planen und Bauen mit Minergie als aufwändig, kompliziert und damit auch teuer. Ein gewisser Mehraufwand lässt sich aus technischen Gründen kurzfristig wohl kaum vermeiden. Umso wichtiger ist es, wenigstens den Zertifizierungsprozess so einfach wie möglich zu gestalten und damit die Hürden für ein Bauen mit Minergie nicht zusätzlich zu erhöhen. Der entsprechende Prozess sollte, so die Erkenntnis aus der Studie, vereinfacht werden und unter Umständen auch alternative (energetisch ebenso sinnvolle) Lösungen zulassen, also mehr Flexibilität bieten.

Weil das Planen und Bauen mit Minergie vergleichsweise komplex ist, sollten konkrete und unkomplizierte Hilfestellungen für Fachpersonen wie Architekt/innen und Fachplanende (Beratungsangebote, Hotline, Netzwerk etc.) angeboten werden.

 

Nach Einschätzung der Bauherrschaften sind Handwerker/innen deutlich weniger gut über Minergie informiert als Architekt/innen, Fachplanende und Energieberatungsstellen. Es ist deshalb sinnvoll, Handwerker/innen zu schulen und zu sensibilisieren, um sie mit den spezifischen Anforderungen vertraut zu machen, die Minergie an sie und ihre Arbeit stellt.

Die Objektbegehungen haben gezeigt, dass vielen Heizungs-und Lüftungsanlagen nicht an das Objekt angepasst, sondern mit den Werkseinstellungen betrieben werden. Eine Verschärfung der Anforderungen an die Inbetriebsetzung und Übergabe von Minergie-Gebäuden, zum Beispiel durch das Einfordern aussagekräftiger Abnahmeprotokolle vor der definitiven Label-Vergabe, könnte dem entgegen wirken.

Die Objektbegehungen haben auch gezeigt, dass die Überschreitung der Anforderungen bei Gebäuden mit Wärmepumpen oft durch einen hohen Energieverbrauch von Heizstäben und/oder Begleitbandheizungen verursacht werden. Die Betreiber begründen die hohen eingestellten Temperaturen häufig mit dem Legionellenschutz, teilweise auch mit einem hohen Warmwasserbedarf am Morgen, der mit tieferen Speichertemperaturen nicht mehr gedeckt werden kann. Betroffen sind besonders Mehrfamilienhäuser und zwar sowohl Minergie als auch MuKEn Gebäude. Zu prüfen wäre daher eine Anpassung von Planungsnormen (SIA 385/1) und Energievorschriften, welche den rein elektrischen Legionellenschutz mit Heizstäben und Begleitbadheizungen einschränkt oder ganz verbietet. 

Ungünstig sind zudem Tarifsysteme, bei denen Heizstäbe und Begleitbadheizung nicht über den vorhandenen Wärmepumpenzähler sondern über den Allgemeinstromzähler angeschlossen werden müssen (z. B. im Verteilnetz des ewz). Dies erweckt bei den Betreibern den Eindruck eines effizienten Wärmepumpenbetriebs, wobei unbemerkt bleibt, dass der Allgemeinstromverbrauch aufgrund der Heizstäbe und Begleitbandheizungen den Verbrauch der Wärmepumpe deutlich übersteigt.

 

Die Energieverbrauchsanalyse zeigt, dass die Grenzwerte tendenziell eher bei Mehrfamilienhäusern und Verwaltungsgebäuden und weniger bei Einfamilienhäusern überschritten werden. Eine Optimierung kann nur auf zwei parallelen Gleisen erfolgen: bei den Betreibenden und den Nutzenden. Ein „Fine Tuning“ des Minergie-Systems nach der Inbetriebnahme und die periodische Kontrolle und Optimierung der Betriebseinstellungen sind zentral, um im Betrieb effektiv Energie zu sparen. Ein normales Service- und Wartungs-Abonnement enthält keine solche Betriebsoptimierung, obwohl das teilweise angenommen wird. Die  Betreibenden und Haustechnikdienste müssen für die Betriebsoptimierung sensibilisiert werden, damit sie die Vorteile einer periodischen .berprüfung erkennen und diese umsetzen oder umsetzen lassen. Nicht zufällig melden von jenen Betreibenden, die sich nicht lückenlos informiert fühlen, besonders viele Informationsbedarf bezüglich Einstellung der Komfortlüftung bzw. der Heizung an.

Die Empfehlungen für eine Einregulierung bei der Inbetriebnahme und eine periodische Betriebsüberprüfung und –optimierung gilt nicht nur für Minergie-Gebäude sondern gleichermassen für die MuKEn- Bauten. Auch bei diesen wurden mehrfach suboptimale Technikeinstellungen festgestellt.

Auch bei den  Nutzenden wird ein Informationsmanko sichtbar, weil viele gemäss Auskünften der Betreibenden nur beim Einzug, und auch dann mehrheitlich nur mündlich über die Eigenheiten des Gebäudes und das richtige Verhalten informiert wurden. Es scheint deshalb ratsam, den Nutzenden periodisch etwa alle zwei Jahre zu Beginn der Heizperiode Informationen insbesondere zum Fensterlüften zukommen zu lassen. Als Hilfestellung könnte vom Verein Minergie zentral ein adaptierbarer Minergie- Infoflyer bereitgestellt werden.

 

In Ergänzung zu den zielgruppenspezifischen Befunden und Folgerungen halten wir fest: Die kontrollierte Lüftung ist integraler Bestandteil der Minergie-Bauweise. Thermische Behaglichkeit und hohe Innenluftqualität, zu denen diese Einrichtung Wesentliches beiträgt, sind wichtige Gründe für das Bauen mit Minergie. Für viele, die der konventionellen Bauweise verbunden sind, ist aber gerade die kontrollierte Lüftung weiterhin ein wesentlicher Aspekt, der sie davon abhält, mit Minergie zu bauen. Mancher Vorbehalt mag dank technischen Innovationen längst hinfällig geworden sein. Es kann sich deshalb lohnen, aktiv solchen Vorbehalten zu begegnen. Erst die Zukunft wird hingegen zeigen, ob die Ängste berechtigt waren, dass die Instandhaltung und allenfalls Renovation der Komfortlüftung längerfristig aufwändig sein werden. Technische Innovationen, die zu kostengünstigen Lösungen für die Instandhaltung und spätere Instandsetzung beitragen, wären wichtig, willkommen und müssten entsprechend bekannt gemacht werden.

Die kontrollierte Lüftung ist auch ein wesentliches, oft technisch bedingtes Hindernis bei Sanierungen. Nicht zuletzt deshalb erscheint den an Planung und Bau Beteiligten Minergie heute bei Neubauten besser einsetzbar als bei Sanierungen. Die Konzentration auf Neubauten ist aber nicht sinnvoll, weil der Gebäudebestand erneuert und verbessert werden muss. Erleichterungen und neue Ansätze für Minergie bei Sanierungen, wie sie heute schon diskutiert werden, sind deshalb erwünscht.

 

Schon heute gibt es offenbar einen Trend, zwar mit Minergie zu bauen, das Gebäude aber nicht zertifizieren zu lassen. Aufgrund der Informationen aus den Befragungen und den ergänzenden Qualitativ- Interviews geschieht dies oft, um eine kontrollierte Lüftung zu vermeiden, aber auch wegen des grossen (formalen) Aufwands, den der Zertifizierungsprozess verursacht. Wenn die Marke „Minergie“ auf eine möglichst grosse Zahl zertifizierter Bauten abzielt, sollte sie auch diese Befunde berücksichtigen.

 

Minergie ist – allen vorgängig genannten Hinderungsgründen zum Trotz -  ein Verkaufsargument und kann als solches im Kontakt mit Interessenten verwendet werden.

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