Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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UV-C-Licht wirkt gegen Viren

113 Bucher Benno"Wir wissen, dass UV-C-Licht gegen Viren wirkt“ sagt Benno Bucher, Professor für Physik, betreut das Institut für Energietechnik an der Hochschule Rapperswil.
In einigen Ländern werden mit UV-C-Licht U-Bahnen und Krankenhäuser desinfiziert.
Im Internet sind die Lampen für jeden zu kaufen. Aber wie sinnvoll sind sie?

 

Quelle: WELT Edition von Cornelia Karin Hendrich


Bier aus AbwasserUV-C-Licht ist in der Lage, Wasser zu entkeimen
Copyright: picture alliance/dpa/ Christoph Soeder

Seit Wochen sind Desinfektionsmittel ausverkauft, schlimmer noch, sie werden aus Arztpraxen und Kliniken gestohlen. Es gibt aber noch eine Möglichkeit, alles zu desinfizieren: mit UV-Licht, genauer gesagt mit UV-C-Licht.

Der Verkauf von UV-C-Lampen ist seit Beginn der Corona-Krise in die Höhe geschnellt. Ein südkoreanisches Unternehmen berichtet, dass die Nachfrage nach ihren UV-C-LEDs um das Fünffache gestiegen sei. Laut Aussagen der Firma töten ihre Lampen bei einer einminütigen Bestrahlung 90 Prozent der Coronaviren.

Das UV-C-Licht scheint ein Wunderwerkzeug: Es befreit von Viren, Bakterien und selbst von Schimmelpilzen. China desinfiziert damit seit Ausbruch der Corona-Krise Banknoten und lässt in Krankenhäusern UV-C-Roboter fahren, in Moskau werden damit U-Bahnen entkeimt. Wir sprachen mit Benno Bucher von der Technischen Hochschule Rapperswil in der Schweiz über die Grenzen und Möglichkeiten des Lichts. Der Professor für Physik betreut das Institut für Energietechnik, arbeitete bereits bei IBM auf den Gebieten Optik, Materialwissenschaften, Magnetismus und Halbleiter und hat sich mit UV-C-LEDs beschäftigt.

WELT: Hilft UV-Licht gegen das Coronavirus?

Benno Bucher: Ja, erste Untersuchungen weisen klar darauf hin. Wir wissen, dass es gegen Viren wirkt. Es zerstört sowohl DNA wie auch RNA (Ribonukleinsäure – bei Coronaviren Träger der Erbinformation, Anm. d. Red.).

WELT: Aber das gilt nur für ganz bestimmtes UV-Licht, das sogenannte UV-C-Licht.

DWO WS UVC Licht jsBucher: Ja, das ist der Bereich zwischen 100 und 280 Nanometern. Bei UV-C handelt es sich um den besonders energiereichen, ultravioletten Strahlungsanteil. Dieser wird zwar auch von der Sonne erzeugt, der größte Teil wird aber von der Atmosphäre absorbiert. Bei der Wirkung auf Viren ergibt sich eine ansteigende Kurvenform, deren Spitze im Bereich von rund 265 Nanometern liegt. Bei dieser Wellenlänge ist die Wirkung am besten.

WELT: Die Wirkung, dass die RNA zerstört wird?

Bucher: RNA, DNA und Proteine werden zerstört. Dadurch wird die Replikation verhindert, es findet eine Deaktivierung von Mikroorganismen und Viren statt.

WELT: Also ist das UV-C-Licht eine gute Möglichkeit der Desinfektion?

Bucher: Ja, natürlich funktioniert die Desinfektion damit sehr gut. Mit Quecksilberdampflampen mit 254 Nanometern desinfiziert man Lebensmittel. Das Licht wird ja auch in der Wasseraufbereitung angewendet. Die Wirkung ist seit 100 Jahren bekannt. Früher wurde es allerdings mit Quecksilberlampen erzeugt. Die haben den Nachteil, dass bei einer Zerstörung der Lampe das giftige Metall frei wird. Heutzutage lässt sich das UV-C-Licht auch mit LEDs generieren, seit fünf Jahren etwa, das ist besser, damit kann man 265 Nanometer erreichen, und sie haben den grossen Vorteil, dass man sie einfach ein- und ausschalten kann. Quecksilberdampflampen brauchen hingegen eine gewisse Zeit, bis sie bereit sind.

WELT: Bei allen Vorteilen, das Licht kann aber auch gefährlich sein? Aus China gibt es Meldungen, dass seit der Corona-Krise vermehrt Patienten in die Notfallambulanzen kommen, die Schmerzen in den Augen und ein brennendes Gefühl im Gesicht haben. Vermutet wird, dass dies durch UV-C-Lampen passiert ist.

Bucher: Die UV-C-Strahlung ist eine sehr starke Strahlung, stärker als die UV-A und UV-B-Strahlung, die man vielleicht vom Sonnen kennt, wo man sich mal einen Sonnenbrand holt. UV-C-Strahlung kann Schlimmeres als Sonnenbrand anrichten, sie führt zu viel stärkeren Verbrennungen. Das ist eine sehr starke Strahlung. Es ist schwierig, sie privat zu Hause einzusetzen, denn die Strahlung ist für das Auge unsichtbar. Gerade für die Augen besteht auch ein grosses Risiko, denn hier ist die Eindringtiefe der Strahlung erhöht, man muss eine Schutzbrille tragen.

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WELT: Trotzdem werden diese Lampen ja bei Amazon verkauft. Was heisst gefährlich, wann passieren Verletzungen oder Verbrennungen, reden wir von Stunden oder eher Sekunden?

Bucher: Also wenn Sie eine Lampe mit starker Strahlung nehmen, ist die erlaubte Dosis innerhalb weniger Sekunden erreicht. Das hängt davon ab, wie groß die Intensität ist. Aktuell sind die Unfallzahlen mit UV-C-Strahlung noch relativ gering, es wurden aber die von Ihnen beschriebenen Auswirkungen schon festgestellt.

WELT: Es gibt Ideen, in Krankenzimmern eine solche Lampe einzubauen, damit könnten diese Räume schnell desinfiziert werden. Ein von einer dänischen Firma entwickelter autonomer Roboter ist bereits in chinesischen Krankenhäusern im Einsatz, fährt dort allein durch das Gebäude und desinfiziert Räume. Nicht mehr jede Oberfläche – jeder Wasserhahn, jedes Fensterbrett, jeder Handgriff – muss abgewischt werden. Was halten Sie davon?

Autonomous Robots Are Helping Kill Coronavirus In Hospitals With 3 Der von der dänischen Firma entwickelte UVD Robot soll in Krankenhäusern beim Kampf gegen das Coronavirus helfen

Bucher: Dann dürfte aber keine Person mit ihm Raum sein, wenn das UV-C-Licht angeschaltet wird. Da müsste es Sicherheitsvorkehrungen geben. Wie gesagt, es zerstört DNA.

WELT: Allgemein, halten Sie das UV-C-Licht jetzt in der Corona-Krise für eine gute Möglichkeit zur Desinfektion? Es wird wenig darüber geredet.

Bucher: Ja, wenn es industriell oder professionell angewendet wird. Für Otto Normalverbraucher ist das keine gute Möglichkeit, denn da drohen Gesundheitsschäden. Das sind massive Strahlungen. Man muss sich schützen, mit Brille und eigentlich auch einem Schutzanzug, wenn man damit arbeitet.

WELT: Bereits vor zwei Jahren wurde eine Studie in „Nature“ veröffentlicht, nach der sogenanntes Fern-UV-C-Licht mit einer Wellenlänge von 222 Nanometern zwar genauso keimtötend ist, aber für den Menschen nicht gefährlich und man es deshalb an öffentlichen Orten zur Desinfektion einsetzen könnte. Was halten Sie davon?

Bucher: Unterhalb von 235 Nanometern steigt die Wirkung der UV-C Strahlung nochmals an, das ist richtig. Kürzere Wellenlängen weisen eine geringere Eindringtiefe bei vielen Materialien wie auch bei der Hornhaut auf. Grundsätzlich sollen alle Möglichkeiten genutzt werden, um die jetzige Situation zu verbessern. Dieser kleine Wellenlängenbereich ist aber mit den heutigen technischen Mitteln leider nicht gut erreichbar, und UV-C-LEDs gehen nur bis 250 Nanometer runter.

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