Aktuelle Informationen zur Luft- und Wasserhygiene

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Schon leicht schlechtere Luft ist schädlich

Arbeiten im BüroVerschlechterte Luftqualität in Innenräumen wirkt sich sofort und stark auf die Beschäftigten aus. Das zeigen Versuche mit Schachspielern. 
Am schlimmsten ist der Feinstaub. Eine Zunahme des Feinstaubs um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter erhöht laut der Studie die Wahrscheinlichkeit um 26,3 Prozent, dass ein Schachspieler im Vergleich zu durchschnittlichen Fehlentscheidungen einen falschen Zug macht.


TA vom 27.09.19

Eine druckfrische Studie von drei Ökonomen des deutschen IZA (Institut für Arbeitsökonomie) in Bonn zeigt erstmals auf, wie schon eine relativ geringe Verschlechterung der Luftqualität in Innenräumen die Produktivität von Beschäftigten mit intellektuell besonders herausfordernden Aufgaben mindert.

Das gilt vor allem, wenn die Leistung unter Zeitdruck erbracht werden muss – was in der Arbeitspraxis meist und zunehmend der Fall ist. Der Leistungsabfall geht dabei nicht unmittelbar auf eine schon mehrfach belegte gesundheitliche Beeinträchtigung zurück und erfolgt auch nicht verzögert. Die negativen Folgen treten sofort mit der Verschlechterung der Luftqualität ein.

Seit der Industriellen Revolution wurde schon viel über die negativen Folgen einer schlechten Luftqualität auf die Beschäftigten geschrieben. Unbestritten ist seither, dass sie der Gesundheit schadet und das Arbeiten erschwert. Das hat mitunter grosse wirtschaftliche Schäden zur Folge. Deshalb forschen auch Ökonomen schon länger zu diesem Thema.

Schwer zu messen

Seit den letzten Jahrhunderten ist die Luftqualität in entwickelten Ländern jedoch deutlich besser geworden, und der typische Arbeitsplatz befindet sich nicht mehr in einer stickigen Fabrik. Die bornierten Laufbandjobs von damals erledigen heute Roboter.

Gefragt sind auf den Arbeitsmärkten der Zukunft vor allem intellektuelle Fähigkeiten. Die Beschäftigten müssen in der Lage sein, auch unter Zeitdruck möglichst gut durchdachte Lösungen zu erarbeiten und strategische Entscheide zu fällen – zum Beispiel in der Planung von Abläufen und Programmen, die dann Computer oder Roboter ausführen, in der Beratung oder der Ausführung von Aufgaben, die selbst für diese Geräte zu komplex sind, um sie allein auszuführen.

Dass sich auch eine nur leicht verschlechterte Luftqualität in Innenräumen sofort und stark auf diese Beschäftigungen auswirkt, hat deshalb eine grosse ökonomische Relevanz. Die Schwierigkeit bei dieser Forschung besteht darin, solche Effekte auf die intellektuelle Leistung zu messen. Bei Laufbandbeschäftigten war das noch relativ einfach: Man kann sofort beobachten, ob er oder sie mehr oder weniger Produkte auf einem Band bearbeiten kann, wenn sich das Umfeld, wie zum Beispiel die Luft, ändert.

Schachspieler müssen hochkonzentriert und in kurzer Zeit strategische Entscheide fällen.

Die Ökonomen des IZA haben deshalb für ihre Forschung eine spezielle Art der intellektuellen Leistung ausgesucht: Schachturniere. Teilnehmer an Schachturnieren haben vieles mit Beschäftigten gemein, die beruflich intellektuelle Leistungen erbringen müssen. Wie jene müssen Schachspieler bei ihrer Tätigkeit hochkonzentriert und in kurzer Zeit strategische Entscheide auf der Grundlage komplexer Überlegungen fällen. Und weil ihr Abschneiden sich auf ihre Rangfolge in der Schachwelt auswirkt und oft finanzielle Konsequenzen hat, haben sie einen grossen Anreiz, für diese Art der Belohnung auch unter Druck das Beste zu geben.

Von Vorteil für eine Studie ist hier weiter, dass gleiche Situationen wiederholt bei gleichen Personen auftreten, sodass hier besonders gut der Einfluss unterschiedlicher Luftqualitäten erkannt werden kann.

Am schlimmsten ist der Feinstaub

Deutlich ausgeprägt war laut der Studie der Einfluss von Feinstaub (PM 2.5). Eine Zunahme des Feinstaubs um 10 Mikrogramm pro Kubikmeter (eine Million Mikrogramm entspricht einem Gramm) erhöht laut der Studie die Wahrscheinlichkeit um 26,3 Prozent, dass ein Schachspieler im Vergleich zu durchschnittlichen Fehlentscheidungen einen falschen Zug macht.

Ob ein Schachzug richtig oder falsch ist, haben die Forscher herausgefunden, indem sie diesen mit der Lösung verglichen haben, die ein hoch leistungsfähiger Schachcomputer errechnet hat. So haben sie insgesamt 30’000 Züge von 121 Spielern an 596 Spielen über insgesamt drei Jahre untersucht.

Die intellektuelle Leistungsfähigkeit nahm als Folge der höheren Schadstoffbelastung besonders stark ab, wenn die Schachspielenden unter wachsenden Zeitdruck gerieten – vor allem gegen Ende des zeitlich limitierten Spiels. Das Gleiche zeigte sich, wenn Spieler gegen besonders starke Gegner antreten mussten. Die Forscher schliessen daraus, dass die Schadstoffbelastung bei jeder Art von erhöhtem Stress die Leistungsfähigkeit stark ausgeprägt mindert.

Die Ergebnisse hielten auch verschiedenen sogenannten Robustness-Tests stand. Das heisst, die negative Wirkung der schlechten Luftqualität zeigte sich unabhängig von anderen Einflüssen wie etwa des Lärms im Raum, der Luftfeuchtigkeit oder der Temperatur.

Untersucht haben die Ökonomen ausser der Wirkung des Feinstaubs auf die intellektuelle Produktivität auch jene einer erhöhten Kohlendioxyd- bzw. CO2-Konzentration in der Luft. Wie andere Forschungen zeigen, kann auch diese zu Schwindel, Kopfschmerzen oder Müdigkeit führen. Die Folgen für die intellektuelle Leistungsfähigkeit sind bei der CO2-Konzentration gemäss der IZA-Studie nur halb so ausgeprägt wie beim Feinstaub.

pdf>> IZA DP No. 12632: Indoor Air Quality and Cognitive Performance

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